
Sonnenfinsternis 1999 im Krankenhaus – Ruhe vor dem Schläger
12. August 2026Einer Statistik nach wird jede sechste Frau Opfer von Gewalt in der Partnerschaft. Und zeigt diese eben nur selten an.
Gewalt Statistik in die ich passe
Leider passe ich perfekt in diese Statistik, denn ich gehöre auch zu den Frauen, die ihre Täter nie angezeigt hat. Dabei wäre es ja eigentlich leicht, schließlich kennt man den Namen und sogar die Adresse, es wäre also einfach. In meinem Fall war nach einer Gewalttat, nach der ich blutend im Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht worden war, sogar die Polizei da und fragte, ob ich Anzeige erstatten wollte. Und ich sagte nein. Und wenige Wochen später kam es dann wieder zur Gewalt, weil mein Täter, Sven, irgendwie nicht einsah, warum er den Einsatz des Rettungswagens hätte bezahlen sollen.
Wehrhaft nur gegen Fremde nicht gegen den eigenen Partner
Gegen einen mir völlig unbekannten Kerl in der S-Bahn vor Frankfurt hatte ich mich dabei wenige Jahre zuvor noch sehr erfolgreich zur Wehr gesetzt. Ich habe den Kerl auch nicht angezeigt, weil ich eben bei der Abwehr so erfolgreich gewesen war und mir eben gesagt hatte: Den findet die Polizei eh nicht.
Gegen Sven schaffte ich das nicht. Mich zu wehren nicht. Und den Absprung schaffte ich erst nach Jahren. Erst als ein Druckmittel von seiner Seite weggefallen war.
Laut unserer Bundesfrauenministerin Karien Prien sei das Schweigen bzw. Nicht-Anzeigen kein individuelles Versagen, sondern Ausdruck von Angst und offenbar fehlenden Zugängen zu Hilfe. Ich bin am überlegen, warum ich weder gegangen bin noch Hilfe gesucht habe, noch Sven angezeigt habe. Mich treibt das tatsächlich seit Jahren um, schließlich habe ich mir damit einige Jahre komplett versaut.
Wirtschaftliche Abhängigkeit und Angst
In meinem Fall war es unter anderem die Verflechtung aus: Sven war mein Arbeitgeber und auch noch mein Wohnungsgeber. Dazu war ich zu ihm gezogen, war also einige hundert Kilometer von meinem Elternhaus entfernt. Viele Freunde habe ich heute nicht, damals auch nicht, also kein soziales Netz. Dann hatte ich mir noch erzählen lassen, dass ich ja unbedingt einen Hund brauche, damit war es mir unmöglich einfach für längere Zeit in mein Elternhaus zurückzukehren.
Ich hatte nach einem Gewaltausbruch seinerseits, es zwar tatsächlich geschafft, mich für mehrere Wochen zu meinen Eltern abzusetzen, aber ich war dann doch, wieder zurückgekehrt. Glaubend, dass das Würgen, die blauen Flecken, der Tunnel bei der Luftnot das letzte Mal gewesen war.
Außerdem dachte ich, er hatte ja gesehen, dass ich auch gehen könnte, das könnte ja ein gewisser Schutz sein. Ich hatte recht, er hatte durchaus registriert, dass ich im Notfall auch den Notausgang nehmen würde, allerdings verbaute er diesen mit einer sehr geschickten Drohung. Zunächst gegen mich („ich bring dich um, und keiner wird deine Leiche finden“) und dann, als ihm klar war, dass eine Drohung nur etwas bringt, wenn die bedrohte Person auch Angst hat, bedrohte er auch noch meine Familie. Nein, nicht mit dem Tod, aber er hatte in einem Onlinedienst gezielt Kontakt mit meinem Vater aufgenommen (längere Geschichte) und hatte daher etwas gegen ihn in der Hand (Bilder). Und ich hatte durchaus was dagegen, dass meine Mutter das erfuhr.
Übrigens: ich habe es dann tatsächlich geschafft, mich zu trennen und den Missbrauch zu beenden – einige Monate nach der Beerdigung meines Vaters.
Um diese Gewalterfahrungen geht es in meinen (autobiografischen) Frauenbiografien.
Zum Weiterlesen:

